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25. Oktober 20223 Min LesezeitPedi MatthiesKrisen & Orientierung

Corona als Chance?!

Wie beeinflussen Long-Covid\* und das Post-Covid-Syndrom\*\* die Psyche?

Wie beeinflussen Long-Covid\* und das Post-Covid-Syndrom\*\* die Psyche? „Mit jeder Erkältung kommt eine Erkenntnis." Das hat meine Mutter immer gesagt und ich habe mich jedesmal gefragt, wie das gehen soll. Aber was hat diese „Weisheit" mit Corona zu tun? Nun ist Corona weiß Gott keine Erkältung, aber auch eine Erkrankung, die einen ganz schön aus der Bahn werfen kann. Bei einer schlimmen Erkältung mit Gliederschmerzen, Watte im Kopf und null Antrieb reduziert sich die Wahrnehmung von aussen nach innen, auf einen selbst. Man ist eigentlich nur damit beschäftigt, wieder gesund zu werden. Insofern können sich Erkenntnisse offenbaren, wenn man sehr intensiv mit sich selber beschäftigt ist. Situationen die stressig sind, oder Probleme die immer wieder kehren drängen sich dann in den Vordergrund. Im Prinzip wirkt sich die Infektion mit dem Corona-Virus auf den ganzen Körper aus. Generell sind viele Organe und Blutgefäße durch das Virus betroffen – man spricht von einer Multi-Organ Krankheit. In der akuten Phase und auch in den späteren Verläufen kann es u.a. auch zu neurologischen Symptomen, wie epileptischen Anfällen, Schlaganfällen, Bewusstseinsverlust, Geschmacksstörungen und Zuständen der Verwirrung, kommen. Dazu können Depressionen, Ängste, Gedächtnisverlust und weitere psychische Symptome auftreten. Immer öfter hört man sogar von Haarausfall, der Wochen und Monate nach einer überstandenen Corona-Erkrankung auftritt. Allein dieses Symptom wirkt sich extrem stressig auf die Psyche aus. Das tückische ist, dass auch bei scheinbar milden Erkrankungsverläufen, heftige psychisch relevante Folgesymptome auftreten können. Wie geht man am besten mit den seelischen Schwierigkeiten nach einer Corona-Erkrankung um? Körper und Seele beeinflussen sich gegenseitig Zuerst gilt es zu bedenken, dass sich Körper und Seele gegenseitig beeinflussen. Eine körperliche Erkrankung wirkt sich immer auf unsere psychische Verfassung aus und umgekehrt zeigt der Körper bei seelischer Belastung auch Symptome. Das eigentliche Problem ist, dass wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft leben. Das häufig auftretende „Chronic fatigue syndrome" (CFS) passt da so gar nicht dazu und zermürbt auf Dauer die psychische Widerstandskraft des Betroffenen. Die verringerte Leistungsfähigkeit, eventuelle Schmerzen, die geistige und körperliche Erschöpfung wird von unserer Gesellschaft häufig mit Unverständnis beantwortet. Da der Verlauf der Erkrankung ungewiss ist, kommen Sorgen, Ängste, Frustration, Wut und Trauer auf. Eine Wut auf den eigenen Körper ist nicht selten. Als Folge dessen, sind depressive Symptome, sogar voll ausgebildete Depressionen möglich. Wie kann man mit den psychischen Auswirkungen einer langzeit Covid-Erkrankung zurecht kommen? Also, was kann man tun: • Am besten schon während der akuten Krankheitsphase sich ausreichend Zeit nehmen um sich seiner Gesundheit zu widmen. • Nachsichtig und großzügig mit sich selber sein. • Ruhe halten. • Wenn es geht, leichte Bewegung (spazieren) im Freien. • Natürlich ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. • Den Körper mit dem versorgen was er braucht: ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und angepasste Bewegung. • Die Psyche braucht Gesellschaft mit netten Menschen, neuen Input, Ruhe und unterstützenden Zuspruch. Vielerorts finden sich Selbsthilfegruppen. Es ist wichtig zu sehen, dass man nicht allein mit einem Problem ist. Das Wichtigste ist aber, die gesellschaftlichen und auch die eigenen Anforderungen und Erwartungen, erstmal abzublocken. Es kann helfen, wenn man sich bewusst aus der Leistungsgesellschaft ausklinkt. Corona als Chance in seinem Leben aufzuräumen? Wenn man sich entscheidet, diese heftige Erkrankung und alles was diese mit sich bringen kann, als Zeitpunkt für Veränderungen zu sehen, kann man daraus viel Kraft gewinnen. Eventuell benötigt man therapeutische Unterstützung, um schwierige Themen anzugehen. Weiterführende Links: • zusammengegencorona.de (Long-Covid-Infos) • nakos.de (Selbsthilfegruppen) • dak.de (Long-Covid-Hotline) • seepark-klinik.de (Post-Corona-Behandlungsangebot) \*Von „Long-Covid" spricht man, wenn die Symptome innerhalb 4 Wochen nach der akuten Erkrankung auftreten. \*\*Das „Post-Covid-Syndrom" tritt auf, wenn diverse Symptome 12 Wochen nach akuter Erkrankung sichtbar werden.

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